Casinos ohne OASIS 2026: Marktanalyse, Rechtslage und die harten Zahlen hinter der Sperrdatei-Umgehung
Die Anfrage „Casinos ohne OASIS“ gehört 2026 zu den am stärksten wachsenden Suchbegriffen im deutschen Glücksspielumfeld. Wer den Begriff eingibt, sucht meistens eines: einen Weg, an der 2021 mit dem Glücksspielstaatsvertrag eingeführten Spielersperrdatei vorbeizuspielen. Dieser Text erklärt, warum das rechtlich, technisch und ökonomisch eine schlechtere Idee ist, als die Werbebanner der grauen Anbieter vermuten lassen – und was die Zahlen dazu sagen.
Der Text richtet sich an Leser, die verstehen wollen, wie das System funktioniert, welche Anbieter mit „ohne OASIS“ werben, wie die Aufsicht 2026 reagiert und warum der Bundesgerichtshof 2024 den Klägern der grauen Casinos den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Kein Werbetext. Kein „Testsieger“. Nur die Mechanik.
Was OASIS wirklich ist – und was es nicht ist
OASIS steht für „Onlineabfrage Spielerstatus“ und wird zentral von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle (Saale) verwaltet. Das System ist seit dem 1. Juli 2021 in Betrieb und die technische Grundlage jedes Spielerschutzes in Deutschland. Jeder Anbieter mit einer GGL-Erlaubnis muss vor jeder Anmeldung, vor jeder Einzahlung und in bestimmten Fällen auch während des Spiels abfragen, ob der Spieler in der Datenbank steht. Steht er drin, wird die Sitzung sofort beendet.
Wichtig ist die Unterscheidung: OASIS gilt nicht nur für Online-Slots. Die Datei umfasst virtuelle Automatenspiele, Online-Poker, Sportwetten mit deutscher Lizenz, Spielhallen und Spielbanken in allen Bundesländern. Wer sich in einer Spielbank in Bad Homburg sperren lässt, kann eine Woche später weder in einer Hamburger Spielhalle noch in einem lizenzierten Online-Casino spielen. Diese Kopplung war einer der zentralen Kritikpunkte der Branche und einer der zentralen Verkaufsargumente des Regulators.
Die Sperre kennt zwei Formen. Die Selbstsperre wird auf Antrag des Spielers eingetragen, gilt mindestens drei Monate und lässt sich frühestens nach dieser Frist auf Antrag aufheben – wobei die Aufhebung nicht automatisch mit Fristablauf erfolgt, sondern schriftlich beantragt werden muss und bearbeitungszeit hat. Die Fremdsperre wird vom Anbieter eingetragen, wenn Personal oder Algorithmen Anzeichen problematischen Spielverhaltens erkennen. Der Betroffene kann Widerspruch einlegen.
Was heißt „Casino ohne OASIS“ konkret?
Ein Casino ohne OASIS ist ein Glücksspielangebot, das die deutsche Sperrdatei nicht abfragt. Das ist nur möglich, wenn der Betreiber keine deutsche Erlaubnis besitzt. Solche Anbieter arbeiten mit Lizenzen aus Curaçao, Anjouan, Malta oder Gibraltar. Sie unterliegen nicht der GGL-Aufsicht, haben aber in Deutschland auch keine Zulassung nach § 4 GlüStV.
Der rechtliche Rahmen in einem Satz: nicht zugelassen
Angebote ohne GGL-Erlaubnis sind in Deutschland nicht zugelassen. Punkt. § 4 Absatz 1 des Glücksspielstaatsvertrags von 2021 verbietet die Veranstaltung und Vermittlung von Glücksspielen ohne Erlaubnis der zuständigen Behörde. Das gilt anbieterseitig – der Betreiber verstößt gegen deutsches Recht, sobald er ohne Erlaubnis auf den deutschen Markt zielt.
Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2024 diese Rechtslage in mehreren Entscheidungen zementiert. Verträge zwischen deutschen Spielern und nicht in Deutschland lizenzierten Online-Casinos sind nach § 134 BGB nichtig, weil sie gegen ein gesetzliches Verbot verstoßen. Die praktische Folge: Spieler können Verluste zurückfordern. Die Durchsetzung dauert. Rückforderungsklagen brauchen zwischen 12 und 30 Monaten, hängen an internationalen Zustellungen und werden von Prozessfinanzierern begleitet, weil die Beklagten in Zypern, Malta oder auf den Seychellen sitzen.
Wer sich auf europäische Dienstleistungsfreiheit als Rechtfertigung stützt, argumentiert an der aktuellen Rechtsprechung vorbei. Die Frage ist mehrfach durch die Instanzen gelaufen. Der Glücksspielsektor ist unionsrechtlich ausdrücklich einer nationalen Regulierung unterworfen. Ein Malta-Lizenzhinweis auf der Startseite ändert am deutschen Verbot nichts.
Warum die Suchanfrage 2026 explodiert – und was das über die Zielgruppe sagt
Die Suche nach „Casinos ohne OASIS“ hat 2026 einen strukturellen Grund. Rund 90.000 Spieler sind aktuell in der Sperrdatei eingetragen. Die Zahl steigt seit 2022 jährlich zweistellig. Ein Teil dieser Personen sucht nach Wegen, die Sperre zu umgehen – teilweise wenige Tage nach dem eigenen Antrag auf Selbstsperre, teilweise nach einer Fremdsperre, gegen die sie sich innerlich nicht wehren wollen oder können.
Diese Nutzergruppe ist der Kern des Problems. Die Sperrdatei erfüllt ihren Zweck genau dann, wenn sie schwer zu umgehen ist. Jede Suchmaschinenseite, jeder Blog, jeder Vergleichsartikel, der Umgehungsanleitungen liefert, arbeitet aktiv gegen den Spielerschutz. Der vorliegende Text tut das nicht.
Die zweite Nutzergruppe sind Spieler, die noch nicht gesperrt sind, aber Angst haben, wegen erhöhter Einsätze gesperrt zu werden. Auch für diese Gruppe ist der Rat gleich: Wenn die Angst vor einer Fremdsperre besteht, ist das Signal des eigenen Spielverhaltens ernst zu nehmen. Nicht der Anbieter wechseln, sondern das Verhalten prüfen.
Wer darf in Deutschland überhaupt Online-Slots anbieten?
Aktuell verfügen rund 95 Anbieter über eine GGL-Erlaubnis, wobei nur ein Teil davon virtuelle Automatenspiele anbietet. Der Rest deckt Sportwetten oder Online-Poker ab. Die vollständige Liste steht auf der Whitelist der GGL unter gluecksspiel-behoerde.de und wird laufend aktualisiert. Alles außerhalb dieser Liste ist ohne Erlaubnis.
Wie die grauen Anbieter arbeiten: die Zahlen
Das Volumen des nicht regulierten Marktes wird von Branchendiensten auf 30 bis 50 Prozent des gesamten deutschen Online-Glücksspielaufkommens geschätzt. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil nicht regulierte Anbieter naturgemäß keine Rechenschaft ablegen. Die GGL selbst nennt in ihren Jahresberichten Größenordnungen, die im mittleren einstelligen Milliardenbereich liegen.
Die Betreiberstruktur ist konzentriert. Hinter Marken wie Vulkan Vegas, Ice Casino, Slottica, Verde, Boomerang, 20Bet oder Rolling Slots stehen wenige Holdings mit Sitz in Zypern, den Niederländischen Antillen oder auf den Seychellen. Diese Marken verfügen über keine GGL-Erlaubnis. Sie werben aktiv um deutsche Spieler, akzeptieren deutsche Zahlungsmittel und lokalisieren ihre Auftritte auf Deutsch. Wir raten grundsätzlich, ausschließlich bei in Deutschland lizenzierten Anbietern zu spielen. Die Nennung erfolgt zur Einordnung, nicht als Empfehlung.
Diese Betreiber arbeiten mit vier Werbeversprechen: kein Einzahlungslimit, kein Einsatzlimit pro Spin, keine OASIS-Abfrage, keine KYC-Verpflichtung. Alle vier Punkte klingen für den Spieler nach Vorteil. Alle vier Punkte sind aus Sicht des Betreibers Kostenreduktion und aus Sicht des Spielers Risiko.
Warum „ohne KYC“ kein Vorteil ist
Kein KYC bedeutet: keine Identitätsprüfung bei Kontoeröffnung. Klingt bequem. In der Praxis findet die Identitätsprüfung bei der ersten größeren Auszahlung statt. Dann verlangt der Betreiber plötzlich Ausweiskopie, Adressnachweis und Selfie. Kann etwas nicht geliefert werden oder passt eine Angabe nicht zur Registrierung, wird die Auszahlung eingefroren. Der Betreiber hat die Einzahlung. Der Spieler hat einen Aktenordner.
Die technische Sperr-Realität 2026: DNS und Zahlungen
Seit Mai 2026 arbeitet die GGL mit den großen deutschen Internetprovidern zusammen und lässt DNS-Sperren für Domains ausrollen, die deutschen Spielern ohne Erlaubnis Glücksspiel anbieten. Die Sperren treffen die klassischen Verdächtigen: Vulkan Vegas, Ice Casino, Slottica und rund zwei Dutzend weitere Marken. Die Umgehung per VPN oder alternativem DNS ist technisch trivial – und rechtlich für den Spieler grenzwertig, weil sie faktisch Vertragsschluss mit einem in Deutschland nicht zugelassenen Anbieter voraussetzt.
Deutlicher wirkt die zweite Front: Zahlungsdienstleister. § 9 Absatz 1 Nummer 4 GlüStV verpflichtet Banken, Zahlungsdienstleister und Kreditkartenunternehmen, an unerlaubtem Glücksspiel nicht mitzuwirken. In der Praxis blockieren Sparkassen, Volksbanken, N26 und ING zunehmend Überweisungen und Kartenzahlungen an bekannte graue Anbieter. PayPal ist im deutschen Glücksspielmarkt seit Jahren auf dem Rückzug. Klarna, Trustly, Sofort und andere Direktbanking-Dienste weigern sich, für nicht lizenzierte Anbieter aktiv zu werden.
Übrig bleiben: Kryptowährungen, Prepaid-Karten wie Paysafecard mit den bekannten Limits, exotische E-Wallets. Wer glaubt, das seien Vorteile, verwechselt Umständlichkeit mit Freiheit. Rückbuchungen sind bei Krypto ausgeschlossen. Bei Streit mit dem Betreiber steht der Spieler ohne Rückgriff da.
Was passiert bei einer Auszahlung von 5.000 Euro?
Ein Beispiel aus der Praxis. Spieler zahlt in einem grauen Casino 800 Euro ein. Gewinnt in einem längeren Lauf 5.000 Euro. Beantragt Auszahlung. Betreiber verlangt KYC, verlangt Herkunftsnachweis der Einzahlungsmittel, verlangt zusätzliche Videoidentifikation. Bearbeitungszeit: 15 Werktage. Auszahlung nach zwei Monaten in vier Tranchen à 1.250 Euro. Eine Tranche wird von der Empfängerbank zurückgewiesen. Der Fall zieht sich sechs Monate. Kein Einzelfall, sondern Standardverlauf.
Der Marktüberblick: was für Anbieter mit „ohne OASIS“ werben
Die Anbieter lassen sich grob in drei Kategorien einteilen. Wir betrachten sie zur Analyse, nicht als Auswahlhilfe.
| Kategorie | Typische Lizenz | Merkmale | Risikoprofil |
|---|---|---|---|
| Etablierte graue Marken | Curaçao, teils Anjouan | Hoher Werbedruck, deutsche Lokalisierung, DE-Support | DNS-Sperren, Zahlungsblockaden, langsame Auszahlungen |
| MGA-lizenzierte Anbieter ohne DE-Erlaubnis | Malta Gaming Authority | EU-Lizenz, aber kein GGL-Status; teils gezielte Ansprache DE-Kundschaft | Vertrag nach BGB nichtig, Rückforderung möglich |
| Neu gegründete Curaçao-Marken | Curaçao (GCB-Reform seit 2024) | Kurze Existenz, wechselnde Betreiber, häufige Umbenennungen | Höchstes Risiko: Insolvenz, Verschwinden, Nichtauszahlung |
Die dritte Kategorie ist die gefährlichste. Marken, die seit weniger als 18 Monaten am Markt sind, ohne verifizierte Betreiberhistorie, ohne unabhängige Prüfberichte, ohne belastbare Zahlungshistorie. Foren wie GambleJoe listen jeden Monat neue Namen und jeden Monat Berichte über nicht ausgezahlte Guthaben.
Warum die MGA-Lizenz kein Ersatz für die GGL-Erlaubnis ist
Die maltesische Aufsicht MGA reguliert ihre Lizenznehmer nach maltesischem Recht. Sie schützt maltesische Spieler und maltesische Interessen. Für einen deutschen Spieler, der bei einem MGA-lizenzierten Anbieter ohne deutsche Zulassung spielt, gilt: Der Vertrag ist in Deutschland nichtig, die maltesische Aufsicht ist für ihn nicht zuständig. Bei Streit muss der Spieler nach Malta klagen. Kein realistisches Szenario für einen 300-Euro-Verlust.
Die Zahlen zur Sperrdatei OASIS
OASIS ist seit dem 1. Juli 2021 in Betrieb. Vor 2021 gab es das System als Teil des Hessischen Spielhallengesetzes und einiger Länderregelungen, allerdings mit erheblich kleinerem Anwendungsbereich. Die zentrale Einführung war einer der wichtigsten Kompromisse des GlüStV 2021.
Die GGL veröffentlicht Kennzahlen zum System in ihren Jahresberichten. Die Größenordnungen zeigen einen konstanten Aufwärtstrend seit 2021. Die überwiegende Mehrheit der Einträge sind Selbstsperren. Fremdsperren machen den kleineren Teil aus, sind aber wegen ihrer Länge in der Regel wirksamer.
Wichtig für den Spieler: OASIS ist keine Bonitätsdatei, keine Schufa, keine Auskunftei. Der Eintrag hat außerhalb des Glücksspielsektors keinerlei Auswirkung. Er erscheint nicht bei Kreditanfragen, nicht bei Mietanträgen, nicht bei Arbeitgebern. Er dient ausschließlich der Prüfung durch Glücksspielanbieter. Das mildert eine der häufigsten Ängste ab, die Spieler vor der Selbstsperre haben.
Wie lange dauert eine Sperre und wie hebt man sie auf?
Eine Selbstsperre gilt mindestens drei Monate. Nach Ablauf dieser Frist kann der Spieler schriftlich die Aufhebung beantragen. Die Aufhebung erfolgt nicht automatisch mit Fristablauf, sondern erst nach Bearbeitung. Der Zeitraum zwischen Antrag und Löschung beträgt in der Regel zwischen einer und vier Wochen. Fremdsperren gelten mindestens ein Jahr und werden nach Prüfung durch den sperrenden Anbieter aufgehoben.
Zahlungsmittel und Sperrdatei: wo die Grenze verläuft
Häufige Suchanfrage: „Casinos ohne OASIS mit PayPal“ oder „Paysafecard Casinos ohne OASIS“. Der Zusammenhang ist einfach. PayPal, Klarna, Trustly, GiroPay, Sofort und Sepa arbeiten nur mit lizenzierten Anbietern in Deutschland. Die vertraglichen Konditionen dieser Zahlungsdienstleister schließen unerlaubtes Glücksspiel aus. Praktische Folge: Ein Casino ohne OASIS ist zwingend auch ein Casino ohne diese Zahlungsmittel.
Übrig bleiben in der Praxis: Paysafecard, Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum, USDT), exotische E-Wallets (Jeton, MiFinity, ecoPayz-Nachfolger) und in Einzelfällen noch Kreditkartenzahlungen, die je nach Bank durchgehen oder blockiert werden. Paysafecard erlaubt Einzahlungen bis 100 Euro pro Karte ohne Registrierung, mit dem Paysafe-Konto höhere Beträge – ist aber wegen seiner Anonymität bei den Betreibern beliebt und wegen der Einwegrichtung (kein Auszahlungsweg) bei den Spielern gefürchtet.
Bei Krypto gilt: keine Rückbuchung, keine Konsumentenrechte, kursbedingte Verluste zwischen Einzahlung und Auszahlung. Wer in einem grauen Casino 500 Euro in USDT einzahlt, 700 Euro USDT auszahlt und dann bei Umtausch in Euro Kursverluste und Umtauschgebühren zahlt, kommt real auf 650 Euro. Auch das ist Mathematik, nicht Meinung.
Ist Paysafecard sicherer als eine Überweisung?
Paysafecard ist anonymer. Sicherer im Sinne von Verbraucherschutz ist es nicht. Bei einem Streit mit dem Betreiber gibt es keine Rückbuchungsmöglichkeit, keine Chargeback-Option, keine Bank, die sich einschaltet. Die vermeintliche Sicherheit ist reine Wahrnehmung, weil das Zahlungsmittel physisch klein und begrenzt wirkt.
Rechnerbeispiel: was die Umgehung wirklich kostet
Ein Modellfall mit realistischen Zahlen. Spieler A, gesperrt in OASIS wegen Selbstantrag. Findet ein Casino ohne OASIS. Zahlt monatlich 400 Euro ein. Spielt Slots mit einem durchschnittlichen RTP von 96,2 Prozent, was 3,8 Prozent Hausvorteil bedeutet. Umsatzverhalten: Der eingezahlte Betrag wird durchschnittlich 4,5-mal umgesetzt, bevor er verloren oder ausgezahlt wird. Ergebnis: 400 × 4,5 × 3,8 % = 68,40 Euro erwarteter Verlust pro Monat.
Klingt handhabbar. Bis Spieler A gewinnt und auszahlen will. Wahrscheinlichkeit einer verzögerten oder verweigerten Auszahlung bei einem grauen Anbieter mit unklarer Historie liegt nach Foren-Auswertung zwischen 15 und 35 Prozent. Bei einer Auszahlung von 1.500 Euro und einem Verweigerungsrisiko von 20 Prozent beträgt der Erwartungswert der Auszahlung nur 1.200 Euro. Die restlichen 300 Euro sind statistisch verloren.
Rechnet man das gegen einen lizenzierten Anbieter mit demselben RTP: 68,40 Euro erwarteter Verlust pro Monat, 100 Prozent Auszahlungssicherheit bei Gewinnen. Der Unterschied liegt nicht im Hausvorteil, sondern im Ausfallrisiko der Auszahlung.
Wie hoch ist die Chance, überhaupt Geld zurückzuklagen?
Nach BGH-Rechtsprechung 2024 sind Rückforderungen dem Grunde nach möglich. In der Praxis werden Klagen von spezialisierten Kanzleien und Prozessfinanzierern übernommen. Die Erfolgsquote bei anhängigen Verfahren gegen bekannte graue Anbieter liegt hoch, weil die Rechtslage klar ist. Die Durchsetzung dauert 12 bis 30 Monate. Wer keine Prozessfinanzierung findet, weil die Streitsumme unter 1.500 Euro liegt, klagt selten erfolgreich.
Seriosität in einem grauen Markt: gibt es das überhaupt?
Die Suchanfrage „seriöse Casinos ohne OASIS“ ist ein Widerspruch in sich. Seriosität in einem regulierten Markt bemisst sich an der Einhaltung der geltenden Regeln. Ein Anbieter ohne GGL-Erlaubnis hält die zentrale Regel des deutschen Marktes – nämlich das Erlaubniserfordernis – nicht ein. Damit fällt das Bewertungssystem, auf dem Seriosität normalerweise gemessen wird, in sich zusammen.
Was tatsächlich existiert, sind graue Anbieter mit langer Marktpräsenz und relativ verlässlicher Auszahlungspraxis auf der einen Seite und offene Betrugsseiten auf der anderen Seite. Der Unterschied ist relevant für Nutzer, die die Grauzone bewusst wählen – reduziert aber nichts an der rechtlichen Bewertung. Ein Anbieter, der zuverlässig auszahlt, ist nicht dadurch legal, dass er zuverlässig auszahlt.
Foren wie GambleJoe, Casino-Rezensent oder englischsprachige AskGamblers pflegen Beschwerdedatenbanken. Wer sich für die Grauzone interessiert, findet dort die Realität: verzögerte Auszahlungen, geänderte Bonusbedingungen im Nachhinein, KYC-Verzögerungen bei größeren Gewinnen. Die Beschwerdeführer sind selten Konspirationstheoretiker. Sie sind Kunden, die eingezahlt haben und ausgezahlt bekommen wollten.
Woran erkennt man einen Betrugsanbieter?
Kurze Marktpräsenz unter 12 Monaten, wechselnde Betreibergesellschaften, Bonusbedingungen mit versteckten Höchstauszahlungen, Umsatzbedingungen über 50-fach, fehlende oder gefälschte Lizenzangaben, unklare Firmenadresse (Postfach auf den Seychellen), keine unabhängigen Testberichte. Die Kombination von mindestens drei dieser Merkmale ist ein starkes Warnsignal – ändert aber nichts daran, dass auch die „soliden“ grauen Anbieter in Deutschland nicht zugelassen sind.
Legal spielen mit erhöhten Limits: der Bonitätsnachweis
Für Spieler, die den 1.000-Euro-Einzahlungslimit pro Monat als Grund für den Wechsel in die Grauzone nennen, existiert ein legaler Weg. § 6c GlüStV erlaubt eine Anhebung des Einzahlungslimits nach Bonitätsprüfung. Der Spieler reicht Einkommensnachweise ein (Lohnabrechnung, Kontoauszüge, Steuerbescheid), der Anbieter prüft, die GGL genehmigt. Regulär kann das Limit bis 30.000 Euro pro Monat angehoben werden. In der Praxis setzen die meisten Anbieter operative Obergrenzen bei 10.000 Euro. Die Bearbeitung dauert typischerweise sieben Tage.
Der Prozess ist kein Selbstläufer. Nicht jeder Antrag wird genehmigt. Wer 3.000 Euro netto verdient und 8.000 Euro Limit beantragt, wird abgelehnt. Wer 8.000 Euro netto verdient und 5.000 Euro Limit beantragt, kommt in aller Regel durch. Die Prüfung ist bewusst eng, weil sie den Kernauftrag des Spielerschutzes nicht aushöhlen soll.
Der zweite legale Weg betrifft nicht das Limit selbst, sondern die Verteilung. Wer sein Monatslimit in mehreren Tranchen einzahlt und Gewinne zwischenzeitlich auszahlt und nicht erneut einzahlt, kann faktisch mit höheren Umsätzen arbeiten. Das ist kein Trick, sondern die vorgesehene Nutzung. LUGAS überwacht Einzahlungen, nicht Umsätze.
Was ist mit Sportwetten und Poker?
Sportwetten und Online-Poker haben eigene Lizenzen und eigene Limits im Rahmen des GlüStV. Wer über das 1.000-Euro-Limit hinaus aktiv sein will und die Bonitätserhöhung scheut, kann Sportwetten und Poker parallel nutzen. Auch dort greift OASIS, wenn eine Sperre aktiv ist – die Kopplung gilt anbieter- und produktübergreifend.
Der psychologische Kern: warum die Sperrdatei umgangen wird
Die nüchterne Erklärung: Spielsucht ist eine Krankheit. Die Sperrdatei ist ein Werkzeug, das genau dann wirkt, wenn sie nicht umgangen werden kann. Wer sich vor drei Monaten selbst gesperrt hat und heute nach „Casinos ohne OASIS“ sucht, hat ein Problem, das durch einen alternativen Anbieter nicht gelöst wird, sondern verschärft.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betreibt eine kostenlose Beratungshotline: 0800 1 372 700. Anonym, 24 Stunden, ohne Verbindungsnachweis. Die Website check-dein-spiel.de bietet Selbsttests, Beratungsstellenverzeichnisse und Informationen zu Angehörigenhilfe. Das ist keine Werbephrase am Ende des Artikels, sondern ein konkreter Verweis auf das, was für die Zielgruppe dieses Suchbegriffs tatsächlich hilfreich sein kann.
Für Spieler, die nicht gesperrt sind, aber die Frage aus reiner Neugier oder wegen der Limits stellen, gilt die andere Perspektive: Die Grauzone hat höhere Verluste, langsamere Auszahlungen, größeres Ausfallrisiko und keine rechtliche Absicherung. Der einzige messbare Vorteil ist die Umgehung von Limits, die genau dafür geschaffen wurden, dass Spieler nicht mehr verlieren, als sie sich leisten können.
Typische Fehler und Missverständnisse
Fehler eins: Der Glaube, eine EU-Lizenz sei in Deutschland gültig. Ist sie nicht. Die MGA, die Gibraltar Regulatory Authority oder die zypriotische Aufsicht haben in Deutschland keine Regulierungskompetenz. Der Betreiber verstößt gegen deutsches Recht, egal welche EU-Lizenz er vorweist.
Fehler zwei: Die Annahme, § 285 StGB (Beteiligung an unerlaubtem Glücksspiel) werde in der Praxis nicht durchgesetzt. Die spielerseitige Verfolgung ist selten – aber der Vertrag mit dem Anbieter ist nichtig, Verluste sind rückforderbar, Gewinne sind steuerrechtlich zu deklarieren. Der Spieler steht nicht im Fokus der Strafverfolgung, aber er steht in einer rechtlich ungünstigen Position.
Fehler drei: Die Erwartung, ein Casino ohne OASIS sei automatisch auch ein Casino ohne KYC bei Auszahlung. Falsch. KYC findet bei der Auszahlung statt, nicht bei der Einzahlung. Wer 3.000 Euro auszahlen will, wird mit Ausweisdokumenten konfrontiert. Ein grauer Anbieter mit deutlichem Auszahlungsdruck ist besonders penibel bei KYC, weil er die Auszahlung damit hinauszögern oder verweigern kann.
Fehler vier: Der Wechsel zu Casinos ohne OASIS als Reaktion auf eine bereits aktive Sperre. Das ist der rechtlich, medizinisch und finanziell am schlechtesten begründete Anwendungsfall. Wer sich selbst gesperrt hat, hat einen Grund gehabt. Der Grund ist nicht dadurch verschwunden, dass ein neuer Anbieter die Sperre nicht sieht.
Fehler fünf: Die Vorstellung, Krypto-Zahlungen entziehen den Betreiber der Rechtsprechung. Falsch. Der Betreiber ist an seinem Sitz identifizierbar, die Zahlung ist in der Blockchain nachvollziehbar, der Vertrag ist trotzdem nichtig. Krypto verschleiert allenfalls die Zahlungshistorie gegenüber der eigenen Bank – rechtlich ändert es nichts.
Vergleich: reguliert vs. grau in Zahlen
| Merkmal | GGL-lizenziert | Ohne OASIS (grau) |
|---|---|---|
| Einzahlungslimit | 1.000 €/Monat, bis 30.000 € mit Bonitätsnachweis | Keins |
| Einsatz pro Spin (Slots) | 1 € | Keine Grenze |
| Pause zwischen Spins | 5 Sekunden, kein Autoplay | Keine |
| Live-Casino | Nicht erlaubt (Slots und Poker separat) | Verfügbar |
| Tischspiele | Ländersache, nicht in allen Bundesländern | Verfügbar |
| Progressive Jackpots | Nicht erlaubt | Verfügbar |
| Bonus Buy | Nicht erlaubt | Verfügbar |
| OASIS-Abfrage | Verpflichtend | Keine |
| Zahlungsmittel | PayPal, Klarna, Trustly, Sepa, Karten | Meist nur Krypto, Paysafecard, exotische E-Wallets |
| Auszahlungssicherheit | Reguliert, mit Beschwerdeweg an GGL | Betreiberabhängig, kein deutscher Beschwerdeweg |
| Vertragswirksamkeit in DE | Wirksam | Nach BGH 2024 nichtig |
| Rückforderung Verluste | Nicht anwendbar (rechtmäßig) | Möglich, dauert 12–30 Monate |
| Steuerliche Behandlung Gewinne | Steuerfrei für Spieler | Steuerfrei für Spieler, aber Herkunftsnachweis problematisch |
| DNS-Sperre | Nein | Zunehmend, seit Mai 2026 ausgerollt |
Die Tabelle zeigt: Die Grauzone bietet mehr Produktvielfalt und weniger Beschränkungen. Sie bietet aber auch weniger Verbraucherschutz, weniger Zahlungswege und deutlich mehr rechtliche Reibung. Der Vorteil ist Produktangebot. Der Preis ist Rechts- und Ausfallrisiko.
Marktdaten 2026: was die Zahlen sagen
Die GGL veröffentlicht regelmäßig Marktbeobachtungsberichte. Die Kernzahlen für 2026:
Rund 95 Anbieter mit GGL-Erlaubnis, davon ein kleinerer Teil mit Slot-Lizenz. Die vollständige Whitelist ist einsehbar unter gluecksspiel-behoerde.de. Neu hinzugekommene Anbieter im letzten Halbjahr: einstellig. Marktbereinigung erkennbar: einige kleinere Betreiber haben ihre Lizenz zurückgegeben, weil der wirtschaftliche Betrieb unter den Auflagen nicht darstellbar war.
Zahl der aktiven OASIS-Einträge: rund 90.000, mit steigender Tendenz. Anteil Selbstsperren: über 80 Prozent. Durchschnittliche Sperrdauer bei Selbstsperren, gemessen vom Eintrag bis zum ersten Aufhebungsantrag: rund neun Monate.
DNS-Sperren gegen graue Anbieter: seit Mai 2026 aktiv, über 20 Domains betroffen. Wirksamkeit gegen technikaffine Nutzer: gering. Wirksamkeit gegen Gelegenheitsnutzer: substanziell, weil die Sperre den einfachsten Zugang unterbricht und die Umgehung eine bewusste Handlung erfordert.
Zahlungsblockaden durch deutsche Banken: laufend eskaliert. Betroffen sind bekannte graue Marken. Die Blockade betrifft sowohl Einzahlungen (Überweisungen ins Ausland an bekannte Empfänger) als auch Auszahlungen (eingehende Zahlungen von bekannten Betreibern).
Wie viele Spieler nutzen ohne OASIS-Angebote?
Belastbare Zahlen gibt es nicht. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass 30 bis 50 Prozent des deutschen Online-Glücksspielaufkommens außerhalb der GGL-Regulierung stattfindet. Bezogen auf einzelne Spieler ist die Schätzung noch unschärfer, weil Doppelnutzung häufig ist: Spieler haben Konten bei lizenzierten und nicht lizenzierten Anbietern parallel.
Was tun, wenn man bereits bei einem grauen Anbieter eingezahlt hat?
Praktische Handreichung für den Fall, dass die Entscheidung schon gefallen ist. Erstens: alle Belege sichern. Kontoauszüge, Zahlungsbestätigungen, E-Mail-Korrespondenz, Screenshots des Kontostands. Zweitens: keine weiteren Einzahlungen tätigen. Drittens: Rückforderung prüfen.
Rückforderungen von Glücksspielverlusten sind seit BGH 2024 gerichtlich durchsetzbar. Verjährungsfrist: drei Jahre ab Kenntnis, längstens zehn Jahre ab Verlust. Der praktische Weg führt über spezialisierte Kanzleien, die häufig auf Erfolgsbasis oder mit Prozessfinanzierung arbeiten. Der Spieler trägt in diesen Konstruktionen kein direktes Kostenrisiko, gibt aber einen Anteil des zurückgeforderten Betrags ab (30 bis 50 Prozent).
Wichtige Einschränkung: Rückforderbar sind Netto-Verluste, nicht Brutto-Einsätze. Wer 5.000 Euro eingezahlt und 2.500 Euro ausgezahlt hat, kann 2.500 Euro zurückfordern. Wer positive Bilanz hat, hat nichts zurückzufordern. Bei laufender Nutzung wird der aktuelle Kontostand angesetzt.
Steuerliche Behandlung: Glücksspielgewinne aus Online-Casinos sind für den Spieler in Deutschland grundsätzlich einkommensteuerfrei, weil sie nicht gewerblich erzielt werden. Bei Auszahlungen im mittleren fünfstelligen Bereich fragen Banken häufig nach Herkunftsnachweisen im Rahmen der Geldwäscheprävention. Wer aus einem grauen Casino auszahlt, hat Erklärungsbedarf gegenüber der eigenen Bank.
Kann ich mich als Spieler strafbar machen?
§ 285 StGB stellt die Teilnahme an unerlaubtem öffentlichen Glücksspiel unter Strafe. Die Norm ist bestehendes Recht. Ermittlungsverfahren gegen einzelne Spieler sind selten, weil die Priorität der Strafverfolgung bei den Anbietern liegt. Rechtlich existiert das Risiko. Praktisch ist es für den Durchschnittsnutzer gering, aber nicht null.
Verantwortungsvolles Spielen: konkret, nicht als Alibi
Der Standardsatz „Spielen Sie verantwortungsvoll“ wirkt am Ende jeder Casino-Werbung wie ein pflichtgemäßer Beipackzettel. In diesem Artikel bekommt er einen konkreten Kern.
Wer den 1.000-Euro-Einzahlungslimit als zu niedrig empfindet, sollte prüfen, was diese Empfindung bedeutet. Bei einem Durchschnittsgehalt von 3.500 Euro netto entspricht der Limit rund 28 Prozent des verfügbaren Einkommens – ein Wert, der bereits deutlich über jeder Empfehlung zur Freizeitausgabe liegt. Wer das Limit als Einschränkung empfindet, hat vermutlich ein grundsätzliches Problem mit der Höhe des eigenen Spieleinsatzes, nicht mit der Regulierung.
Die vier Werkzeuge des Spielerschutzes bei lizenzierten Anbietern: LUGAS-Limit (das Standard-Monatslimit), Spielerselbstsperre (OASIS, drei Monate mindestens), Realitätscheck (Zeit- und Verlustanzeige während der Sitzung), Panik-Button (sofortige 24-Stunden-Sperre). Alle vier sind kostenlos, jederzeit verfügbar und in wenigen Klicks aktiv.
Die zentrale Anlaufstelle für Beratung ist die BZgA-Hotline 0800 1 372 700. Kostenlos, anonym, rund um die Uhr. Die Website check-dein-spiel.de listet Beratungsstellen in ganz Deutschland, häufig mit persönlichen Terminen innerhalb einer Woche. Für Angehörige existieren spezialisierte Angebote unter der gleichen Nummer.
Wer nicht wegen Sucht, sondern wegen Neugier oder Limitfrust nach der Grauzone sucht, sollte sich eine einfache Rechnung machen. Der monatliche Erwartungswert des Verlusts multipliziert mit zwölf ist die Jahreskostenschätzung. Bei 400 Euro Einzahlung pro Monat und typischem Umsatzverhalten sind das 800 bis 1.000 Euro pro Jahr. Bei 1.500 Euro Einzahlung entsprechend das 3,75-fache. Diese Zahl steht der etwaigen Freude am Produkt gegenüber.
Wie erkenne ich, dass mein Spielverhalten kritisch wird?
Warnzeichen sind: Erhöhung der Einsätze zur Erzielung gleicher Erregung, Spielen zur Kompensation von Verlusten, Verheimlichung des Spielens vor Angehörigen, Beeinträchtigung von Arbeit oder sozialen Beziehungen, wiederholte erfolglose Versuche aufzuhören. Zwei oder mehr Punkte sind ein Grund für eine Beratung bei der BZgA, unabhängig von der eingesetzten Summe.
Aktuelle Entwicklungen 2026
Der Markt hat sich seit dem GlüStV 2021 dreifach entwickelt. Erstens Konsolidierung im lizenzierten Bereich: weniger, aber größere Anbieter mit stabilerem Angebot. Zweitens verstärkte Aufsichtstätigkeit der GGL: DNS-Sperren, Zahlungsblockaden, Kooperation mit Bundesbank und BaFin. Drittens BGH-Rechtsprechung 2024 mit klarer Positionierung zur Nichtigkeit von Verträgen mit nicht lizenzierten Anbietern.
Reformdiskussionen laufen. Diskutiert werden: Anpassung des 1-Euro-Einsatzlimits nach oben (bisher nicht beschlossen), Erweiterung des zulässigen Produktkatalogs um bestimmte Live-Casino-Formate (nicht beschlossen), Anpassung der Spieler-übergreifenden Limits (bisher unverändert). Die politische Debatte ist geprägt von Zielkonflikten zwischen Spielerschutz, Kanalisierung ins legale Angebot und fiskalischen Interessen.
Die Kanalisierungsquote – der Anteil des Glücksspielmarktes, der ins legale Angebot fließt – ist eine der zentralen Kennzahlen für den Erfolg der Regulierung. Die GGL nennt Werte im mittleren Bereich, mit Zielwert deutlich über 80 Prozent. Kritiker aus der Branche verweisen darauf, dass die geltenden Restriktionen (1-Euro-Einsatz, kein Live-Casino, kein Bonus Buy) den Kanalisierungserfolg strukturell erschweren. Befürworter halten dagegen, dass eine Aufweichung der Restriktionen den Spielerschutz aushöhlen würde, der der eigentliche Zweck der Regulierung ist.
Die Entwicklung 2026 zeigt eine deutliche Verschiebung: Die Aufsicht arbeitet zunehmend nicht direkt am Anbieter, sondern an den Infrastrukturbetreibern – Provider, Banken, Payment-Dienstleister. Diese indirekte Regulierung ist schwerer zu umgehen als direkte Anbieter-Adressierung, weil sie an Punkten ansetzt, die im deutschen Rechtsraum liegen.
Was ändert sich 2026 gegenüber 2025?
Drei konkrete Änderungen. Erstens der Rollout der DNS-Sperren seit Mai 2026, der den Zugang zu grauen Anbietern für Gelegenheitsnutzer erschwert. Zweitens die zunehmende Zahlungsblockade durch deutsche Banken auf Basis interner Compliance-Listen. Drittens die konsolidierte BGH-Rechtsprechung 2024, die spezialisierten Kanzleien einen belastbaren Rahmen für Rückforderungsklagen gibt.
Die typischen Kombinations-Suchanfragen und was dahintersteht
Der Suchbegriff „Casinos ohne OASIS“ kommt selten allein. Die häufigsten Erweiterungen und ihre nüchterne Interpretation:
„Casinos ohne OASIS mit PayPal“: Kombinatorisch fast unmöglich, weil PayPal in Deutschland nur mit lizenzierten Anbietern arbeitet. Angebote, die das versprechen, sind entweder fehlinformiert, veraltet oder verweisen auf technische Umgehungen (PayPal über Umwege), die gegen die AGB von PayPal verstoßen und zur Kontosperrung beim Zahlungsdienstleister führen können.
„Casinos ohne OASIS mit schneller Auszahlung“: Die Kombination ist wirtschaftlich unwahrscheinlich, weil graue Anbieter Auszahlungen als Instrument der Marge nutzen. Verzögerungen sind kein Bug, sondern Feature: Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler weiterspielt und den Auszahlungsbetrag wieder einsetzt.
„Paysafecard Casinos ohne OASIS“: Häufige Suche, weil Paysafecard bei grauen Anbietern verbreitet ist. Der Anreiz für den Betreiber: geringe Prüfhürde bei Einzahlung. Der Nachteil für den Spieler: Paysafecard ist ein Einweg-Zahlungsmittel, Auszahlungen erfolgen auf anderem Weg (Krypto, Banküberweisung, exotische E-Wallets). Der Auszahlungsweg ist häufig langsamer und störanfälliger als der Einzahlungsweg.
„Neue Casinos ohne OASIS“: Suche nach frisch gegründeten Angeboten, oft in der Hoffnung auf großzügigere Boni. Frische Marken tragen das höchste Ausfallrisiko: kurze Historie, keine Testberichte, wechselnde Betreiber, oft nach zwölf Monaten unter neuem Namen wieder verfügbar.
„Casinos ohne OASIS Deutschland“: Die Formulierung selbst ist ein Widerspruch. Ein Casino ohne OASIS operiert per Definition außerhalb der deutschen Regulierung. Die Ergänzung „Deutschland“ bezieht sich auf die Zielgruppe, nicht auf den Standort oder die Zulassung des Anbieters.
„Casinos ohne OASIS Sperre“: Impliziter Zweck ist die Umgehung einer aktiven Sperre. Die Sperre existiert, weil der Spieler sie beantragt hat oder weil der Anbieter Anzeichen problematischen Verhaltens gesehen hat. Die Suche ist ein Warnsignal für den Suchenden selbst.
Warum werden diese Kombinationen so intensiv gesucht?
Die Suchvolumina spiegeln zwei Realitäten: eine wachsende Zahl von OASIS-gesperrten Spielern, die die Sperre umgehen möchten, und eine zweite Gruppe, die die Beschränkungen des lizenzierten Marktes (Limit, 1-Euro-Spin, kein Live-Casino) nicht akzeptieren möchte. Die zweite Gruppe hat legale Alternativen (Bonitätsnachweis, andere Spielformen), die erste Gruppe braucht Beratung, nicht Alternativen.
Der Vergleich: was legale Anbieter tatsächlich bieten
Ein oft übersehener Punkt: Der lizenzierte deutsche Markt ist nicht so eingeschränkt, wie die Werbung der grauen Anbieter suggeriert. Rund 95 Anbieter mit GGL-Erlaubnis, davon eine zweistellige Zahl mit Slot-Lizenz, bieten Portfolios mit hunderten Slots, umfangreichen Bonusprogrammen (innerhalb der zulässigen Grenzen) und stabilen Zahlungswegen.
Namen aus dem lizenzierten Bereich, die für Slot-Nutzer relevant sind: OneCasino DE, Merkur Slots, JackpotPiraten, Wunderino, LöwenPlay, CrazyBuzzer, BingBong, Mybet. Diese Anbieter unterliegen der GGL-Aufsicht, bieten das volle Programm im Rahmen der Regulierung und arbeiten mit gängigen deutschen Zahlungsmitteln. Aktionen und Konditionen ändern sich; vor Registrierung im Kundenkonto und in den aktuellen AGB prüfen.
Der Spielinhalt: Book of Dead mit RTP 96,21 Prozent (in bestimmten Varianten auch 94,25 Prozent, was jeder Spieler vor dem ersten Spin prüfen sollte), Big Bass Bonanza mit 96,71 Prozent, Sweet Bonanza mit 96,48 Prozent, Gates of Olympus mit 96,50 Prozent. Die relevanten Slot-Provider (Play’n GO, Pragmatic Play, NetEnt, Merkur) sind auf dem regulierten Markt vertreten. Der Unterschied zum grauen Markt liegt nicht im Spielinhalt, sondern in Einsatzhöhe, Autoplay und Bonus-Buy-Funktionen.
Was fehlt im lizenzierten Bereich wirklich?
Konkret: Live-Casino (Tischspiele mit echtem Dealer per Videoübertragung), progressive Jackpots über den Provider-Netzwerken, Bonus-Buy-Funktion (direkter Kauf der Freispielrunde), Einsätze über einem Euro pro Spin, Autoplay. Für einen Teil der Spieler sind diese Punkte relevant, für einen anderen Teil nicht. Die Frage ist, ob der Wunsch nach diesen Features das rechtliche und finanzielle Risiko des grauen Marktes rechtfertigt.
Häufig gestellte Fragen
Sind Casinos ohne OASIS in Deutschland legal?
Nein. Anbieter ohne GGL-Erlaubnis sind in Deutschland nach § 4 GlüStV nicht zugelassen. Verträge mit solchen Anbietern sind nach BGH-Rechtsprechung 2024 nichtig. Die Anbieter selbst verstoßen gegen deutsches Recht. Für Spieler ist die Position rechtlich ungünstig, auch wenn Ermittlungsverfahren gegen Einzelspieler nach § 285 StGB in der Praxis selten sind.
Kann ich meine OASIS-Sperre umgehen, indem ich bei einem ausländischen Anbieter spiele?
Technisch teilweise, faktisch mit hohem Risiko. Nicht lizenzierte Anbieter fragen OASIS nicht ab, sind aber in Deutschland nicht zugelassen. Bei Gewinnen drohen KYC-Probleme, Zahlungsblockaden und lange Auszahlungswege. Aus therapeutischer Sicht ist die Umgehung einer selbst beantragten Sperre kontraproduktiv. Wer die Sperre umgehen möchte, sollte die BZgA-Beratung unter 0800 1 372 700 kontaktieren, nicht den Anbieter wechseln.
Wie erkenne ich, ob ein Casino der GGL-Aufsicht unterliegt?
Der Anbieter listet die Erlaubnis-Nummer im Footer und ist auf der offiziellen Whitelist der GGL unter gluecksspiel-behoerde.de eingetragen. Kein anderer Nachweis zählt. Malta-, Curaçao-, Anjouan- oder Gibraltar-Lizenzen sind für den deutschen Markt nicht ausreichend. Wer die Erlaubnisnummer im Footer nicht findet oder wer bei der Suche auf der Whitelist keinen Treffer bekommt, hat es mit einem in Deutschland nicht zugelassenen Anbieter zu tun.
Was passiert, wenn ich bei einem grauen Anbieter Geld verliere?
Der Vertrag ist nach § 134 BGB nichtig. Verluste sind grundsätzlich rückforderbar. Die Durchsetzung erfolgt in der Regel über spezialisierte Kanzleien mit Prozessfinanzierung, dauert zwischen 12 und 30 Monaten und richtet sich gegen den Betreiber im Ausland. Erfolg ist wahrscheinlich, aber langwierig. Belege der Einzahlungen und Verluste unbedingt sichern.
Warum wirbt ein Anbieter mit „ohne KYC“?
Weil die Identitätsprüfung bei Kontoeröffnung fehlt. Die Prüfung findet stattdessen bei der ersten größeren Auszahlung statt. Dann werden Ausweiskopie, Adressnachweis und Selfie verlangt. Fehlen Nachweise oder passen Angaben nicht zur Registrierung, wird die Auszahlung verzögert oder verweigert. Der Wegfall des KYC am Anfang ist kein Vorteil, sondern eine Verschiebung des Prüfmoments.
Kann ich mit Paysafecard ohne OASIS spielen?
Bei grauen Anbietern häufig ja, weil Paysafecard dort als Einzahlungsmittel akzeptiert wird. Bei lizenzierten deutschen Anbietern gilt Paysafecard als reguläres Zahlungsmittel, mit OASIS-Abfrage vor der Einzahlung. Die Zahlungsmittelwahl entscheidet nicht über die OASIS-Frage, sondern die Zulassung des Anbieters.
Ist die OASIS-Sperre in der Schufa sichtbar?
Nein. OASIS ist eine glücksspielinterne Datenbank ohne Verbindung zu Bonitätsauskunfteien. Der Eintrag hat keine Auswirkungen auf Kreditanfragen, Mietanträge, Arbeitgeber oder sonstige Lebensbereiche außerhalb des Glücksspielsektors. Diese Trennung ist rechtlich klar und praktisch relevant für Spieler, die die Selbstsperre wegen Sorgen um mögliche Konsequenzen scheuen.
Wie kann ich meine Einzahlungsgrenze legal erhöhen?
Über einen Bonitätsnachweis nach § 6c GlüStV. Lohnabrechnungen, Kontoauszüge und Steuerbescheid beim Anbieter einreichen, der leitet die Prüfung an die GGL weiter. Regulär möglich sind bis 30.000 Euro pro Monat, viele Anbieter setzen operative Obergrenzen bei 10.000 Euro. Bearbeitungszeit typischerweise sieben Tage. Nicht jeder Antrag wird bewilligt; die Prüfung ist bewusst konservativ.
Fazit: die kurze Version
Casinos ohne OASIS sind Angebote ohne deutsche Zulassung. Der rechtliche Status ist eindeutig: nicht erlaubt nach § 4 GlüStV, Vertrag nichtig nach BGH 2024, Rückforderung von Verlusten möglich. Der wirtschaftliche Status ist ungünstig: höhere Ausfallrisiken bei Auszahlungen, blockierte Standard-Zahlungsmittel, DNS-Sperren seit Mai 2026. Der therapeutische Status für gesperrte Spieler ist klar: Die Umgehung einer selbst beantragten Sperre ist ein Warnsignal, kein Ausweg.
Für Spieler, die aus Neugier oder wegen Limitfrust den grauen Markt in Betracht ziehen, ist der legale Weg nüchtern besser: 95 lizenzierte Anbieter, Bonitätsnachweis für höhere Limits, gängige Zahlungsmittel, rechtssichere Auszahlungen. Der einzige messbare Vorteil des grauen Marktes – Produktvielfalt bei Live-Casino, Jackpots und Bonus Buy – hat einen Preis, der in Euro, Zeit und Rechtsrisiko messbar ist.
Für Spieler, die aktuell in OASIS eingetragen sind und nach Wegen an der Sperre vorbei suchen, ist der eine relevante Rat: 0800 1 372 700. Kostenlos, anonym, rund um die Uhr. Die Sperre hat einen Grund. Der Grund ist nicht mit einem anderen Anbieter gelöst.
Zuletzt aktualisiert: November 2026. Autor: Redaktion Glücksspielaufsicht & Verbraucherschutz. Quellenverweise: Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (gluecksspiel-behoerde.de), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (check-dein-spiel.de, Hotline 0800 1 372 700), Bundesgerichtshof (Entscheidungen 2024 zur Nichtigkeit von Online-Glücksspielverträgen ohne deutsche Erlaubnis).